Es sagen ja viele, dass der zweite Antritt auf einer Triathlon-Langdistanz schwieriger ist als der erste. Dass es auch für mich letztes Wochenende beim IRONMAN Austria in Klagenfurt schwieriger war als vor einem Jahr, lag vor allem an ein paar Umständen, die ich nur bedingt beeinflussen konnte.
Der Zeitplan für den Sonntag sah aufstehen um 3:45 und Frühstück um 4:00 vor. Zu Fuß ging es dann vom Hotel zur Wechselzone, um das Rad aufzupumpen und die Flaschen, Nüsse und Datteln herzurichten – nicht zu vergessen die Käsesemmel in den blauen Sack zu geben für den Beginn der Radstrecke. Dann ging es weiter zum Strandbad.
Da angesichts der Wassertemperaturen von über 26° bereits am Vortag ein Neoprenverbot ausgesprochen worden war, ging das Umziehen recht schnell und ich war gemeinsam mit meiner Begleiterin mit genug Zeitpuffer im passenden Startblock. Ich war mindestens genauso nervös wie beim ersten Mal aber anders. Beim Aufsetzen der Badehaube war ich so zittrig, dass es mir auch im zweiten Versuch nicht gelang. Ein aufmerksamer Athlet eilte mir spontan zu Hilfe. Es würde ohne Neopren ein Schwimmen gegen die Cut-off-Zeit und gegen die Angst werden. Am Vorabend hatte ich noch einen Fernsehbericht gesehen, in dem von drei schweren Badeunfällen an Kärntner Seen an dem Tag gesprochen worden war, zwei Personen mussten reanimiert werden und befanden sich in kritischem Zustand. Ich fühlte mich unsicher – und dieses Gefühl sollte mich auf mehr als drei Kilometern begleiten.
Das Schwimmen wollte ich daher ruhig angehen, um nur ja nicht in irgendwelche Schwierigkeiten mit dem Atmen oder Verschlucken zu kommen. Obwohl ich nach wenigen hundert Metern ganz bewusst wahrnahm, dass da eine ganze Menschenkette auf Boards und SUPs aufgereiht war und auf uns aufpasste, schaffte ich es nicht, den Schalter im Kopf umzulegen und mit mehr Druck und Frequenz zu schwimmen. Im Nachhinein gesehen ärgere ich mich ein bisschen, dass ich das Vertrauen in die vorhandenen Beobachter und Retter nicht finden konnte.
Erst im Lendkanal kehrte mehr Sicherheit und Mut zurück, meine Supporter hatten am Ufer ausgeharrt und spazierten mit mir bis zum Schwimmausstieg. Ich schwamm endlich ein bisschen kraftvoller und überholte noch ein paar Leute – was da hinten am Ende des Feldes das Kraut auch nicht mehr fett macht. Schlussendlich brauchte ich 40 Minuten länger fürs Schwimmen als vor einem Jahr mit Neoprenanzug und mehr Selbstvertrauen.
Das Radfahrenführte zum ersten Mal in der Geschichte des IRONMAN Austria über eine einzige 180 Kilometer lange Schleife durch halb Kärnten. Auf den ersten Kilometern jausnete ich meine Käsesemmel vor mich hin. Dann ging es von Klagenfurt rund 25 Kilometer flach aber immer leicht ansteigend über die Schnellstraße, dann über einen schönen Anstieg auf den Kraiger Berg rauf und schlussendlich runter nach Sankt Veit und dort über das Kopfsteinpflaster am Hauptplatz. Das Wetter war perfekt zum Radfahren mit wenig Wind und ein bisschen Sonne.
Entlang der neuen Strecke gab es immer wieder sowohl große organisierte Hot Spots als auch kleine private Grüppchen, die auch noch die hinteren Athletinnen und Athleten anfeuerten. Der Abschnitt von Sankt Veit nach Feldkirchen war ruhig, um nicht zu sagen ein bisschen fad. Nach Feldkirchen ging es lange flott bergab bis es dann bei Moosburg wieder rauf und runter ging und über Krumpendorf nach Klagenfurt zurück. Dort begibt man sich dann auf den klassischen Teil der Runde, der zuerst über die Wörthersee Süduferstraße nach Velden führt. Als ich nach Maria Wörth kam, wurde es fast finster – sogar die Straßenbeleuchtung war angegangen. Sturm kam auf, Blätter und Äste wurden von den Bäumen geschleudert und dann goss es wie aus Kübeln. Das Wasser rann in kleinen Bächen über die Straße – und natürlich in die Schuhe und wieder raus. Innerhalb weniger Minuten war ich komplett nass und radelte weiter vor mich hin, gespannt, was die Einsatzkräfte und Streckenposten wohl tun würden. Es patrouillierten zwar mehr Polizeimotorräder, aber das Rennen ging weiter. Nach einer geschätzten halben Stunde wurde der Regen weniger und hörte dann ganz auf. Allerdings wurde mir dann wegen der Kombination von Wind, Fahrtwind und Nässe rasch sehr kalt. Erst irgendwann nach Schiefling wurden ein paar Wolken dünner und jeder geahnte Sonnenstrahl war eine Wohltat. Ich hatte ja mit dem Gewitter (und meinem Rückstand) eigentlich Glück. Ich bekam keinen Hagel ab, und ich befand mich auf einem relativ einfachen Streckenteil, auf dem ich trotz Wassers auch die Bergabpassagen ohne Bremsen bewältigen konnte. Bis ich dann zum Rupertiberg kam, war die Straße hinauf nur mehr feucht und auf der anderen Seite runter schon fast trocken, also keine Angst vor potentiellen Nassbremsmanövern bergab. Zurück nach Klagenfurt gibt es dann noch einige „Schupfer“, das heißt nach einer kurzen Abfahrt geht es gegenüber wieder bergauf. Ich fahre da immer mit Schwung runter und den Gegenhang auf dem großen Kettenblatt rauf und überhole in der Regel Leute, die viel zu früh schalten. Beim allerletzten Schupfer wollte ich dann doch noch schalten, die Kette fiel aber ganz runter – kein Treten mehr möglich, ich wurde immer langsamer und konnte mir in Gedanken zuschauen, wie ich langsam umfiel. Es ist nichts passiert, aufstehen, Krone bzw. Kette richten und weiter. Dieses Mal war wirklich alles dabei, was man nicht unbedingt brauchen kann. Die Radstrecke ist zwar nicht ganz vergleichbar mit dem Vorjahr, aber trotz Gewitter, Wind und Umfaller habe ich nur drei Minuten länger dafür gebraucht. Beim Wechseln war mir noch immer ein bisschen kalt, aber es war o.k.
Meistens kommt mir beim Radfahren im Wettbewerb vor lauter Freude das Grinsen, aber das ist mir dieses Mal in Kärnten ein bisschen eingefroren. Der breite Grinser wollte sich heuer nicht einstellen.
Das Laufenbegann mit neuen Zusatzschleifen rund um das Seeparkhotel herum. Das mag in der Mitte des Feldes ganz nett sein, wenn noch viele Leute dort stehen und anfeuern, aber am Ende des Feldes fühlt man sich da ein bisschen alleine auf den ersten zwei Kilometern. Gut, dass mein Supportteam da war – die haben alles wett gemacht und mich angefeuert! Ich versuchte, bald einen guten Laufrhythmus zu finden und mich darauf zu konzentrieren. Zum Plaudern war mir dabei nicht zumute (sorry Michael), und das erste Drittel des Marathons ging dann tatsächlich recht flott.
Ich freute mich jedes Mal, wenn ich mein Unterstützerteam am Streckenrand sah. Aber sogar meiner Tochter fiel auf, dass das Lächeln bei weitem nicht so befreit war wie sonst. Ich wurde dann zwar langsamer, konnte aber konstant durchlaufen und machte nur bei den Labestationen kurze Gehpausen, um Verpflegung aufzunehmen. Auf den letzten drei Kilometern wurde es noch einmal ein bisschen härter: bei einzelnen Schritten spürte ich stechenden Schmerzen im rechten äußeren Seitenband und konzentrierte mich noch einmal extra auf Körperspannung und Schritte, damit nichts passierte. Außerdem begann es zu dämmern und wurde rasch dunkel – aber dafür war ich vorbereitet Jich hatte mir eine Taschenlampe im Schlüsselanhängerformat in die Laufhose gesteckt und auf den letzten zwei Kilometern im Park und am Plattenwirt vorbei auch tatsächlich benutzt. Beim nächsten Mal möchte ich aber lieber wieder bei Tageslicht oder in der Dämmerung ins Ziel laufen.
Im Zielkanal war dann zwar der Laufschritt nicht mehr sehr
dynamisch dafür aber endlich ein erleichterter Grinser da. Ich sah mein Unterstützerteam und freute mich riesig über die tolle Stimmung. Erleichtert war auch meine Tochter, die sich während des Gewitters doch ein paar Sorgen gemacht hatte.
Mein Plan Awar gewesen, etwas schneller und somit früher im Ziel zu sein als letztes Jahr. Dieses Ziel habe ich klar verfehlt, und ich weiß genau, woran ich arbeiten kann, wenn ich es wieder einmal versuchen sollte.
Plan B, nämlich gesund und sicher ins Ziel zu kommen und dabei sowohl die Schwimmdistanz durchzukraulen und den Marathon durchzulaufen hat funktioniert. Die paar Brusttempi zum Orientieren und zum Quatschen gestehe ich mir ebenso zu wie die kurzen Gehpausen beim Trinken an den Labestationen. Plan C (irgendwie ins Ziel gehen) habe ich nicht gebraucht, und Aufgeben ist solange keine Option wie die eigene Gesundheit und Sicherheit nicht gefährdet ist.


Dann setzte sich doch die Konzentration durch. Am Weg zum Start war ich die einzige mit einer knallpinken Badehaube – auf der Suche nach der sogenannten „goggle washing area“, hochtrabender Ausdruck für eine kleine Plastikwanne mit etwas Wasser wenige Meter vor dem Start. Nach dem Waschen der Schwimmbrille war ich also noch mit Feinjustierungen beschäftigt (Brille und darüber die offizielle Badehaube aufsetzen), als ich schon direkt am Start stand und nicht gleich den anderen hinterherlief ins Wasser. Irgendwann begann der Moderator dann einen Spezialcountdown für mich (5-4-3-2-1), klatschte mit mir ab, und es ging ganz am Ende des Feldes los. Wie geplant fand ich eine gute Körperspannung und einen guten Rhythmus, das Orientieren funktionierte, ein paar Wellen störten nur wenig, beim Stau bei der ersten Wendeboje nahm ich mich ein bisschen zurück. Dann ging es an zwei Richtungsbojen weiter zur zweiten Wendeboje, wo mich die Richtungsbojen zurück zuerst ein wenig verwirrten – aber mit dem großen Gebäude beim Lorettobad im Hintergrund und den vielen Richtungsbojen war der Weg zum Lendkanal gar nicht zu verfehlen. Zwei Dreiecksbojen markierten den Eingang zum Lendkanal, das Getümmel wurde ein bisschen dichter, ab und zu gab es Berührungen. Ich blieb in der Mitte und hielt meinen Rhythmus.
Relativ bald entdeckte ich meine Supporter am Ufer, die mich tatsächlich erkannten und dann mit mir mitwanderten. In der Nähe des Ziels gab es erste Anzeichen eines Wadenkrampfes – aber das hatte ich in den letzten Wochen auch geübt. Wenn ich mit Neo schwimme, weiß ich, wie ich Krämpfe beim Schwimmen in Schach halten kann. Beim Schwimmausstieg gab es eine Heerschar von Helfern, und nach den Anzeichen von Krampf ließ ich mir da gerne aus dem Wasser helfen! Ich hörte etwas von 1:35 und dachte nur: „Super, unter 1:40 geblieben“ – meine Schwimmzeit war aber letztendlich 1:29:29. Das hätte ich mich vorher für 3,8 Kilometer zwar gewünscht aber nicht zugetraut.
So war es nicht schwer, immer wieder mit einem breiten Grinser auch die heftigeren Anstiege hinauf zu strampeln. Auch am berühmten Rupertiberg stand jemand vom Verein: Matthias war schon um 6:30 mit dem Rad losgefahren, um sich zu positionieren. Und dann in Klagenfurt bei der Radwende (nach einem Boxenstopp bei der Labestation) standen sie auch wieder, und gleich danach am Beginn der Süduferstraße – immer und überall Team Sportordination (TSO) & Co.! Ich war erstaunlich gut in der Zeit und machte mir Gedanken, ob ich vielleicht überpowert hätte. Die zweiten 90 Kilometer fühlten sich immer noch gut an, die Supporter waren noch immer an denselben Stellen und mindestens so laut und motiviert wie schon Stunden davor. Vor den zwei Anstiegen blieb ich nun jeweils kurz stehen, um Gel und Getränke (= Energie) zu mir zu nehmen. Dann war ich nach 7:08:00 mit den 180 Kilometern fertig. Zwei Gedanken beschäftigten mich auf den letzten 25 Kilometern am Rad: 1. Wie soll das funktionieren, jetzt auch noch einen Marathon zu laufen? Ein bisschen laufen nach dem Radeln (= koppeln) ja, aber 42,2 Kilometer? Und 2. erschienen nun die 14 Stunden nicht mehr ganz unrealistisch. Logisch und im Nachhinein betrachtet passen Gedanke 1 und Gedanke 2 eigentlich nicht ganz zusammen. Man kann also doch nicht mehr so klar denken nach neun Stunden Sport, aber Marathon laufen geht auch dann noch.
Mein Ziel war es, den Marathon durchzulaufen – und das hat funktioniert. Nur bei den Labestationen bin ich gegangen, weil ich es hasse, mich mit Getränken anzuschütten. Ich nahm bewusst regelmäßig Wasser und Iso, probierte die Pizza und die Salzcracker (beides nix für mich) und blieb schlussendlich bei meinen eigenen Gels und einem Stück Banane. Gedanklich portionierte ich die Strecke und lief so eine überschaubare Etappe nach der anderen. Und immer wieder waren da die TSO-Supporter, die anfeuerten, klatschten und fotografierten. Es war jedes Mal aufs Neue eine Freude! Tempo, Konzentration und Motivation waren auf einem ganz eigenartigen Energielevel – nicht extrem hoch, aber irgendwie total ausbalanciert und fokussiert.
Dann kam die letzte Kurve, und der Zieleinlauf begann. Jetzt nahm ich keine Details und auch keine Einzelpersonen mehr wahr. Alles war rot, laut, voller Menschen, und ich lief mit einem Grinser bis zum Zielbogen. Dort drehte ich mich noch einmal um und sah Kiki, die sich bis ganz nach vorne gekämpft hatte, und ich konnte Ihr doch noch zujubeln. Wenige Minuten später war sie es dann, der vor lauter Emotionen die Tränen gekommen sind – und wir sind uns im Ziel so wie in der Früh am Start in den Armen gelegen.
Rad und eine für die Wechselzone,
Das Schwimmen war angesichts des Windes und der Wellen eine Herausforderung, vor allem das Orientieren, denn man konnte kaum über die Wellen schauen, um die Bojen zu sehen. Die Lösung für das Dilemma war dann ein kurzerhand ganz speziell adaptierter Schwimmstil: mitten im Kraulen immer wieder einmal einen Brustzug einlegen, bei dem man über die Wellen drüber schauen und sich orientieren konnte. Das Querstück zwischen erster und zweiter Boje war dann auch zur Hälfte ein Brustschwimmen, um besser durch die Wellen, die nun von links vorne kamen, durch zu tauchen. Der Rückweg mit den Wellen von schräg hinten ging dann flotter. Insgesamt bin ich die ganze Strecke geschwommen, bis die Knie beim Beinschlag im Sand waren. Da die Zeit fast gleich war, wie letztes Jahr, aber bei ungleich schwierigeren Bedingungen, werte ich das als leichte Verbesserung. Aber da ist noch sehr viel zu tun.
tartet. Bei der ersten Route waren das 250 Meter, aber ich dachte, sobald ich auf der Route wäre, könnte die Uhr das ja erkennen. Nix da, die V800 beharrte stur auf dem one-and-only Startpunkt. Mit der im (eigenen) Hirn abgespeicherten Karte habe ich die erste Hälfte der Route gefunden, dann aber fast 9 Kilometer Umweg auf einer 30-Kilometer-Runde gemacht. Dieser Umweg hat sich aber voll ausgezahlt, denn die Kutsche im Wasser hätte ich sonst wohl nicht gesehen (die korrekte Abzweigung wäre davor gewesen). Ob und wie man den Startpunkt einer Route ändern kann, weiß ich noch immer nicht.

Trinkflasche

r mit dem Rennrad auf Asphalt bleibt. Von Sankt Andrä geht es die Taurach entlang bis Gröbendorf oder Mauterndorf. Von dort führt die Route entweder gleich nach Unternberg oder in einer längeren Schleife nach Sankt Michael und schließlich über den Murradweg nach Tamsweg und zurück nach Sankt Andrä.
äre das auch erledigt – immerhin sagen mir die Sportkollegen schon seit über einem Jahr, dass jeder einmal mit dem Radl umfällt. Naja, ich hätte darauf noch länger verzichten können, aber wenn schon, dann lieber doch fast im Stehen.
ningslager – fehlte jetzt auf jeden Fall noch Zederhaus. Also: Göriach – Tamsweg – St. Michael – Zederhaus und alles wieder retour; das geht relativ flach und macht gesamt etwas mehr als 85 km. Ich gebe zu, das war mehr als auf dem Plan stand, aber einfach schön.