Das erste DNF

Der Vienna City Triathlon 2016 sollte meine erste Olympische Distanz werden. Wurde es auch, aber verletzungsbedingt war von vornherein klar, dass Laufen noch immer nicht möglich ist. Der Plan war also, ein gutes Training unter Wettkampfbedingungen zu machen, durchaus mit ein paar Herausforderungen.

Schwimmen im eigentlichen Sinn – nämlich Kraulen und das über längere Distanzen – habe ich erst in den letzten 1½ Jahren gelernt. Bei den ersten drei Sprint-Triathlons im letzten Jahr habe ich die 500 bzw. 750 Meter überwiegend brustschwimmend bewältigt. Nun also zum ersten Mal gleich 1,5 Kilometer. Beim Start wollte ich einmal erfahren, wie das nun wirklich ist, wenn man mitten drinnen startet. Aber entweder waren die Damen hier besonders gesittet oder es waren zu wenige – kurz: von Stress keine Spur, als sie alle an mir vorbeigezogen sind. Auf der ersten Runde habe ich relativ lange gebraucht, einen Rhythmus zu finden. Zwei oder drei Mal habe ich kurze Brustsequenzen eingelegt. Irgendwann war aber dann ein richtig schöner Rhythmus da und ich bin einfach kraul geschwommen. Von der Technik her ist das jetzt schon ganz passabel. Nach den jüngsten Trainingseinheiten mit Alex ist auch klar, wie es schneller werden kann – das ist jetzt die Übungsaufgabe für den Sommer! In knapp 44 Minuten ging ich als Vorletzte aus dem Wasser, gemeinsam mit einer anderen Schwimmerin, die schon am Start in meiner Nähe war und dann auf der zweiten Runde plötzlich wieder neben mir auftauchte. Ich finde es schön, wenn man am Ende des Feldes nicht ganz alleine aus dem Wasser steigen muss und mit der „Leidensgenossin“ ein paar kameradschaftliche Sätze auf dem Weg in die Wechselzone sprechen kann. Auf vorletzte Plätze beim Schwimmen habe ich nach wie vor ein Abo 😉

In der Wechselzone ging alles fast problemlos. Beim Ausziehen des Neoprenanzugs habe ich mich wieder unelegant ins Gras gesetzt. Das Anziehen der Radhandschuhe mit klammen Fingern war ein bisschen mühsam, und ich musste kurz vor dem Aufsteigen auf das Rad noch schnell einen Finger befreien, der sich in der falschen Öffnung beim Kollegen daneben befand. Vier Runden waren am Rad zu absolvieren. Die Strecke war mir bekannt, so dass ich versuchte, rasch in einen flotten Tritt zu kommen. Auf Runde drei war dann ewig lange ein Crew-Motorrad neben mir. Als ich auf Nachfrage sagte, dass ich in der dritten Runde sei, kommentierte der Motorradfahrer auf gut Wienerisch: „Bist oba sche longsom!“ Ich muss zugeben, das hat mich kurz aus der Fassung und aus meinem zufriedenen Tritt gebracht. Auf der vierten Runde habe ich noch ein bisschen zugelegt, denn Kraft für einen Lauf musste ich heute ja nicht sparen. Beim Radfahren ist wieder dieses Gefühl gekommen, das ich bei meinen ersten drei Sprintbewerben schon immer hatte: so eine richtige Euphorie, die mich eine Zeitlang mit einem breiten Grinser dahinrollen lässt. Da weiß ich auch immer ganz genau was das Wort Amateur wirklich bedeutet: Das ist wenn man etwas nicht wirklich kann, aber mit Begeisterung und eine tiefen inneren Freude macht.

Zurück in der Wechselzone klappte wieder (fast) alles reibungslos und ich machte mich auf den Weg zur Laufstrecke. Bei der Labestation kam ich dann drauf, dass ich die Radhandschuhe noch immer anhatte – die sollte ich das nächste Mal auch noch in der Wechselzone lassen. Eigentlich wollte ich hier mit einer Erfrischung und einer Banane abstellen. Aber da es gerade so schön war, spazierte ich noch ein Stück weiter, feuerte Kollegen an, spazierte noch ein Stück weiter und beschloss dann, gleich bis zur Wende zu gehen und die Runde zurück zu spazieren. Am Rückweg gab es noch eine Plauderstündchen mit einem Kollegen, der am Heimweg von seiner Radausfahrt war. Mein lädierter Fuß hat den ungeplanten Spaziergang unter Wettkampfbedingungen brav mitgemacht – mit der Aussicht auf eine Physiobehandlung am Abend.

Fazit: Das war ein ¾-Triathlon der etwas anderen Art. Drei von vier Disziplinen konnte ich dabei gut üben: zum ersten Mal die 1,5 km durchgeschwommen, zum ersten Mal 42 km unter Wettkampfbedingungen geradelt, Wechselzone gut gemeistert – und die Laufstrecke habe ich einmal (statt viermal) spazierengehend auch aus der Nähe betrachtet. So ist mein erstes DNF zwar ein „did not finish“ in der Ergebnisliste, für mich aber doch eine runde Sache.

Der Vienna City Triathlon findet auf der Donauinsel direkt an der U1-Station statt, also mitten in Wien. Die Anreise mit der U-Bahn ist problemlos möglich, sowohl für Athleten als auch für Zuschauer. Der Sprint-Bewerb ist für Anfänger gut geeignet, um einmal Triathlonluft zu schnuppern, aber auch Spitzentriathleten finden sich immer wieder im Teilnehmerfeld. Für Zuschauer ist der Bewerb attraktiv, weil es auf dem überschaubaren Gelände sehr leicht möglich ist, alle drei Bewerbe und die Wechselzone zu beobachten. Man kann beim Schwimmen von einem Steg aus die Sportler aus nächster Nähe sehen. Bei der Radwende unter der U-Bahn können spektakuläre Kurvenfahrten bewundert werden. Und schlussendlich wird beim Zieleinlauf eifrig angefeuert.

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